Zu Besuch in Arik Brauers Wunderwelt

Beeindruckende, bunte Werke des Künstlers hängen in seiner Privatsammlung in Währing.

Colloredogasse 30, kurz vor 19 Uhr: In der Garageneinfahrt von Arik Brauers Gründerzeitvilla warten bereits 14 Personen. Ein joviales „Guten Abend!” wird schweigend, dafür mit neugierigen Blicken zur Kenntnis genommen. Als Jasmin Brauer die Tür zum Kellerabgang öffnet, kommt Leben in die Gruppe. Mit Mundschutz geht es über die Treppe hinunter ins Privatmuseum des 91-jährigen Künstlers. Neben der Eingangstür legen alte Aquarelle Zeugnis von Brauers Talent ab. „Meine Urgroßmutter hat diese Bilder zum Glück aufgehoben”, erklärt Jasmin Brauer, die älteste Enkelin des Künstlers, und beginnt mit der Zuweisung der Besucher auf schwarze Klappstühle. Die Bestuhlung ist allerdings das einzig Schwarze in dem 200 Quadratmeter großen Raum. Von den Wänden leuchten bunte Bilder, die Mitte des Museums ist mit Keramikskulpturen bestückt.

„2003 wurde diese Sammlung nach einer Idee meiner Großmutter begründet. Die Gestaltung des Raums war mühsam. Es war ein Keller mit Erdboden, den Richard Lugner, ein Freund meines Großvaters, in ein Museum umgewandelt hat”, umreißt Brauer. Die Erwähnung Lugners sorgt bei den Besuchern für Heiterkeit. Auch die bunten Ölgemälde tragen zur positiven Stimmung bei. 2.000 Bilder hat Arik Brauer gemalt, zur Hälfte mit Öl, zur anderen Hälfte mit Tempera. Vier Hauptmotive hat der gebürtige Ottakringer sein Leben lang verfolgt: die Emanzipation der Frau, die Umwelt, die Judenverfolgung und das Alte Testament. „Je älter mein Großvater wurde, desto persönlicher wurden seine Werke”, sagt Brauer und weist auf ein Selbstbildnis mit dem Titel „Kristallnacht” hin, die er als Bub erleben musste.

Nach der Erläuterung weiterer Werke folgt ein Video, in dem Arik Brauer über seine Erzählmalerei Auskunft gibt. „Es ist nicht wichtig, was man erzählt, sondern wie. Das Abstrakte und das Figurative auszubalancieren, ist das Zentrum meiner Malerei.” Abschließend darf die gebannte Gruppe dem Maler beim Entstehen eines Gemäldes im Zeitraffer über die Schulter schauen. „Ich sehe die Welt nicht als ein Nebeneinander von Dingen und Lebewesen, sondern als ein Geflecht, das so komplex ist, dass wir es nie begreifen können.”

Nähere Infos zur Sammlung finden Sie auf www.leuchtpunkte.at


Text:
Maria-Theresia Klenner
Fotos: Arik Brauer Archiv, Arik Brauer Privatbesitz