“Wir machen Zuckerl in groß”

Das Studio Högl Borowski fertigt Möbel à la Nougatwürfel, lässt sich von der Lobau inspirieren und träumt von schönen Lichtschaltern. Ein Gespräch über Design zwischen Ikea und Galerien.

Was macht gutes Design aus?

MATTHIAS BOROWSKI: Um ehrlich zu sein: Je älter ich werde und je länger ich in diesem Bereich arbeite, desto schwieriger wird es, darauf eine Antwort zu geben. Aber wenn man eine Idee gut kommuniziert, wenn man sie gut rüberbringt, dann ist das gutes Design.

STEFANIE HÖGL: Wenn Design eine sinnliche, emotionale Komponente hat, die mich überzeugt. Denn dann baue ich eine Beziehung zu dem Gegenstand auf und dann will ich ihn lange in meinem Leben haben. Also wenn ich „connected“, quasi verbunden, bin.

Gibt es so einen Gegenstand in Ihrem Leben?

HÖGL: Wir haben immer noch das erste Möbelstück, das ich mir gekauft habe: ein Billy-Regal, das jetzt per se nicht unbedingt für gutes Design steht. Aber es hat einen Strokes-Aufkleber drauf und deswegen ist es personalisiert. Es gibt auch einen Gegenstand, der uns als Paar verbindet: einen Ulmer Hocker, den Matthias auf der Uni gebaut und auf dessen Unterseite er sich damals meine Telefonnummer notiert hat.

BOROWSKI:  Was aber nicht heißt, dass es gleich gutes Design ist, nur weil man etwas draufkritzelt oder ein Pickerl draufpickt.

Woher bekommen Sie die Inspiration für Ihre Arbeit?

HÖGL: Unter normalen Umständen vom Reisen. Jetzt, während Corona, wo der Radius deutlich kleiner wird, viel aus der Natur: in der Lobau herumgehen, ohne Ablenkung und mit viel frischer Luft.

BOROWSKI: Man bekommt dort Inspiration, wo man gerade ist. Das kann auch in einem weißen Raum oder wie bei unserer „Sweets”-Serie in der Küche sein.

Das heißt aus Liebe zum Kochen?

BOROWSKI: Wir kochen beide sehr gerne, ja. Die Küche ist dabei ein bisschen wie eine Werkstatt: Man ist kreativ und kann dort schnell etwas entstehen lassen. Die zweite Überlegung: Beim Essen geht es ja auch um unterschiedliche Materialien, die man mischt, und dann kommt dabei ein Gericht heraus. Das muss aber auf allen sinnlichen Ebenen gut funktionieren, sonst würde es nicht schmecken, nicht gut riechen und hätte keine gute Textur. Und wenn irgendetwas damit nicht stimmt, dann isst man es auch nicht.

HÖGL: Bei einem unserer Spiegel haben wir mit
Polyurethan-Schaum gearbeitet. Die Inspiration dafür war Teig, der aufgeht. Das ist die Freiheit, die man als Designer hat: experimentell zu denken und zu arbeiten, einfach mit Materialien und deren Eigenschaften zu spielen.

All diese Objekte haben viel mit Witz, Humor und Augenzwinkern zu tun.

BOROWSKI:  Süßigkeiten haben ja per se etwas Humoristisches: Sie sind kein richtiges Essen, verleiten einen ein bisschen und sind stark mit Genuss verbunden.

Sie sind privat, aber auch beruflich seit dem Studium ein Paar. Was verbindet Sie?

HÖGL: Die gleiche Vorstellung von Design, derselbe Zugang. Wir setzen uns mit der Sache und dem Material auseinander und dann kommt dabei heraus, was eben herauskommt. Wenn das etwas Künstlerisches ist, das gut in Galerien funktioniert, dann ist es etwas Künstlerisches. Und wenn es straightes Produktdesign ist, dann ist es eben straightes Produktdesign.

Welches Objekt würden Sie gerne noch designen?

HÖGL: Einen Lichtschalter – eigentlich ein unbeachtetes Objekt, das man vielfach im Haushalt findet und angreift. Die wenigsten aber wissen, wie sie genau aussehen. Dabei sind das Gefühl und die Haptik wichtig. Dazu kann man sich viel überlegen. Das finde ich sehr spannend.


Text:
Andrea Peetz
Fotos: 2020 Studio Högl Borowski

auf einen blick
Studio Högl Borowski
Hütteldorfer Straße 59
1150 Wien
www.hoeglborowski.com