Von der Herausforderung des Sehens

Leicht macht es Peter Jellitsch seinen Betrachterinnen und Betrachtern nicht: Die sich stetig wiederholenden Motive lassen seine Kunst zur Challenge werden. Es lohnt sich aber, genau hinzuschauen.

Zweimal mit Bomben und Granaten durchgefallen, neun Fünfer im Zeugnis, keine Perspektive: Gut sah es 1997 wirklich nicht aus für den 15-jährigen Peter Jellitsch. Als „perspektivlos” bezeichnet der heute 38-Jährige sein damaliges Leben in der Kleinstadt Villach: „Ein Klassiker wie bei vielen Kreativen.” Ehrgeiz und Durchhaltevermögen, das hatte er. Nur wohin damit, das wusste er nicht.

Die Eigenschaften, mit denen er davor im Skatepark auf dem Brett und später auf Inlinern brilliert hatte – „Ich habe quasi mein Teenager-Leben dort verbracht” – lenkte schlussendlich sein Vater, gelernter Fliesenleger, in die richtigen Bahnen: „Meine Eltern wollten einfach nicht mehr zuschauen.” Also hieß es für den jungen Jellitsch: Ab in die nahe Tischlerei – zur Lehre. „Berufung war das klarerweise keine, auch wenn mein Opa schon Tischler war. Ich hab’s trotzdem durchgezogen, samt Gesellenbrief.“ Danach wusste Jellitsch immerhin, was er nicht wollte: ab seinem 18. Lebensjahr sein Leben in einem Beruf zu verbringen. „Dafür war ich zu jung und das Leben zu kostbar.“ Trotzdem: „Meinen Eltern ist ein Stein vom Herzen gefallen. Der Lehrabschluss war das Höchste, was sie sich für mich gewünscht haben – und auch ihre höchste Ausbildung.“

Die Benefits aus dem Skatepark haben Jellitschs Werdegang geprägt: Auf den Geschmack des Lernens gekommen, holte er die Matura nach und kam immer mehr auf das „große Ganze“, wie er es nennt: Architektur. „Die Design-Ausbildung alleine war mir zu wenig. Und die Geschichte zeigt, dass die großen Architekten wie Hans Hollein oder Walter Pichler auch in der Kunst Großartiges geschaffen haben. Ich will mehr ein Brückenbauer zwischen verschiedenen Disziplinen sein.“ Ein hohes Ziel, das Jellitsch auch mit dem Studium an der Bildenden erreichte – allerdings nicht ohne vorher zweimal an den Aufnahmeprüfungen zu scheitern. „Genau das hat mich stark gemacht, dieses Scheitern. Ich habe dann einfach trainiert, zu zeichnen. Ich hatte kein unglaubliches Talent, das man sofort gesehen hätte. Es war tatsächlich Arbeit. Man muss den Ehrgeiz in sich wecken.“ Ergo: hinfallen, aufstehen, weitermachen. Das machte Jellitsch auch: Nach einer weiteren Station an der Angewandten war der künstlerische Weg klar.

Viel brauchte Jellitsch für seine Werke anfangs nicht: ein Blatt Papier und einen Stift. Praktisch: „Das konnte ich mir auch schon in meiner Studenten-WG-Zeit leisten.“ Praktisch auch sein Zugang zu Farben – oder eher Nicht-Farben. „Mir war immer wichtig, dass meine Bilder auch auf Fotos gut aussehen. Mit Farben funktioniert das oft nicht gut, deswegen lieber nur Schwarz auf Weiß. Wieso sollte man sich das Leben unnötig schwer machen?“ Und: „Es lässt Kapazitäten im Hirn frei, wenn man sich nicht die ganze Zeit Gedanken über Farben machen muss.“ Nachdenken, das mag Jellitsch – und das Tun: „Der schönste Alltag in meinem Atelier ist, wenn ich meine Arbeit schon vorbereitet habe und nur mehr ausführen muss. Dann höre ich einen Podcast und kann über Stunden oder Tage hinweg einfach für mich sein. Das ist das Schönste an meinem Beruf.“

Jellitschs Kunst ist geprägt von Wiederholungen, sowohl in den feinen Motiven als auch in der haargenauen Arbeitsweise. Durchhaltevermögen braucht es dafür. Das fordert er auch von seinen Sammlerinnen und Sammlern: „Es soll eine Herausforderung sein, die Details, die Fehler, das Händische zu erkennen.“ Was für den einen fad klingt, hat Jellitsch mittlerweile akzeptiert: „Man kann sich das nicht aussuchen, so zu arbeiten. Ich brauche das aber.“ Das spiegelt sich übrigens auch im Privaten wider: „Für mich gibt’s nichts Schlimmeres, als im Urlaub in unterschiedliche Restaurants zu gehen. Aber wenn es mir mal irgendwo gefällt, dann zieht es mich auch immer wieder dorthin.“ Ja, Wiederholung kann eine Challenge sein – aber eine, die es sich zumindest bei Peter Jellitsch anzunehmen lohnt.

 

Text: Andrea Peetz
Fotos: Max Manavi-Huber, Peter Jellitsch