Strickmode abseits jeglicher
Oma-Klischees

Designerin Christina Seewald reüssiert in der Modewelt durch eine Kombination aus Finesse, Qualität und Provokation.

Wer bei Strick an die selbst gemachten Pullover der Oma denkt, wird von Christina Seewald überrascht sein. In ihren Kollektionen verbinden sich edle Materialien mit raffinierten Schnitten und Schnitttechniken, die vom maschinell hergestellten Strick bis zu von Hand gehäkeltem Material reichen. Seewald spielt bei ihren Modellen mit dem Unterschied zwischen weiblicher und männlicher Sexualität, verbindet weibliche Fragilität mit Feminismus, bezieht sich auf die Gleichberechtigung von Frau und Mann, hinterfragt sozialkritisch und lässt feministisch-politische Themen einfließen. „Strickkleidung ist für jede Frau geeignet, denn Strickware lässt sich perfekt anpassen. Sie schmeichelt jeder Figur“, erklärt Seewald.

Wenn Seide auf Kaschmir trifft

„Strick bietet unzählige Möglichkeiten – vom Feinstrick bis zur voluminösen Masche. Dabei habe ich die Möglichkeit, vom Garn bis zum fertigen Kleidungsstück alle Bereiche zu beeinflussen.“ Weil bei Strickwaren diese Beeinflussungen über das Strickmuster, die Texturen und die Fasern passieren, lässt sich Seewald vom Zusammenspiel der Materialien und des menschlichen Körpers beeinflussen. Bei der Produktion legt die Designerin nachhaltige Produktion als Standard fest. So hat Seewald für die Kollektion 20/21 etwa gerne zu Fasern mit einer Kaschmir-Seidenmischung gegriffen.

Im Fokus ihrer Kreationen steht die selbstbestimmte Frau. Dies zeigt Seewald durch die Verbindung von Komfort mit Sinnlichkeit, von Strickkunst mit feinen, weichen Materialien. Die Modelle sind im Tragekomfort flexibel: ob am Tag bei der Arbeit oder abends beim Ausgehen. Bei jeder Kollektion steht ein gesellschaftliches Thema im Mittelpunkt, etwa der Blazer als Sinn- bild der arbeitenden Frau in den 1980er-Jahren. Dieser wird jedoch umgewandelt und zeigt ohne Innenfutter seine Vielschichtigkeit trotz bequemer Trageweise. Weil Mode in seiner heutigen Erscheinungsform im- mer universeller wird, sind auch eine eigene Kollektion für Männer und Unisex-Teile in Vorbereitung. Für die Zukunft betont die Designerin: „Ich bin für alles offen.”

Kaufen kann man Seewalds Stücke im „Not Another Concept Store” in den Ringstraßen-Galerien (1., Kärntner Ring 5-7 ) oder ab Ende des Jahres in ihrem Online-Store auf www.christinaseewald.com


Text:
Sabine Krammer
Fotos: Jan Federer, Olivia Miehler, Vanessa Krügerl