Sind wir nicht alle ein bisschen Harlekin?

Franzi Kreis fängt mit ihrer Kamera Zufallsmomente ein. In ihrem Bildband „Limelight” gibt sie Einblicke in das Leben hinter der Bühne.

Alles dreht sich um die Figur des Narren Harlekin, die es der 28-Jährigen angetan hat: „Er darf seine Meinung sagen, ohne dafür geköpft zu werden. Dieses Wesen findet man auch in vielen modernen Charakteren, etwa bei Jack Sparrow aus Fluch der Karibik”, erzählt Franzi Kreis. Das hat die Fotografin fasziniert. Also begab sie sich auf die Suche nach dessen Verkörperung in heutigen Figuren. Gefunden hat sie diese in Schauspielern. „Ich habe verschiedene Theater in Wien angeschrieben und viele positive Reaktionen erhalten”, so Kreis.

Die Theaterfotografin versucht, das Ergebnis, den  Bildband „Limelight”, zu beschreiben: „Ich wollte den Moment zwischen Alltag und Bühne einfangen. Jenen Moment, in dem man noch nicht auf der Bühne steht, aber trotzdem schon irgendwie in der Rolle ist.”

Dass das Projekt letztendlich fünf Jahre lang gedauert hat, hat sie selbst überrascht. Dazwischengekommen ist ihr die Ausstellung „Finding Motherland”, für die sie Töchter zu ihren Müttern interviewt und fotografiert hat. „Es folgten Ausstellungen in Wien, Moskau und Tuzla. Letztere kam sehr überraschend”, erzählt die Wiener Künstlerin.

Theater trifft Fotografie

„Fotografie ist die Verdichtung eines einzelnen Moments. Auf der Bühne geht es hingegen um die Kunst von Dauer. Der Gegensatz von Alltag und Rampenlicht hat etwas Prickelndes”, erzählt Kreis. Ihr wurde im Zuge ihres Studiums der Theater-, Film- und Medienwissenschaften relativ schnell klar, dass sie sich verstärkt dem Bereich der Theaterfotografie widmen wollte. „Durch die intensive Auseinandersetzung bin ich auf Themen aufmerksam geworden, die ich künstlerisch umsetzen kann”, erzählt Kreis. Und so begann sie schon während ihres Studiums in Wien, wo sie inzwischen im 6. Bezirk ihr Zuhause gefunden hat, mit zahlreichen Projekten und arbeitete als Assistentin des Fotografen Lukas Beck.

Mit dem Fotografieren hat Kreis mit 14 Jahren begonnen. Damals bekam sie von ihren Eltern eine Digitalkamera geschenkt und probierte sich damit aus. „Dadurch habe ich das Fotografieren eigentlich so richtig gelernt; nämlich durch die Freiheit, die ich aufgrund der unbegrenzten Bildermenge hatte”, erinnert sich Kreis zurück. Sie ist davon überzeugt, dass jeder das Handwerk des Fotografen erlernen kann. Am Ende des Tages brauche es aber das Neue und Zufällige. „An der Fotografie begeistert mich neben den handwerklichen Voraussetzungen schon lange, dass man nichts im Voraus planen kann. Die Themen ergeben sich aus dem Leben heraus und überraschen mich selbst immer wieder”, erzählt Kreis.

Aktuell arbeitet Kreis an einem neuen Projekt für das nächste Jahr, worüber sie allerdings noch nichts verraten möchte. Da ihre Kreativität keine Grenzen zu kennen scheint, ist es auch durchaus möglich, in Zukunft etwas aus ihrem Archiv an Zeichnungen zu sehen. Denn was die Künstlerin neben ihrer Kamera stets mit sich herumträgt, ist ein Skizzenblock.

Text: Hannah Maier
Fotos: Franzi Kreis