Handwerk von der Leiste bis zur Sohle

Maßgeschneidertes aus dem Wiener Schuhatelier Kudweis erlebt derzeit eine regelrechte Renaissance.

Seit 90 Jahren entstehen im Schuhatelier Kudweis in der Wipplingerstraße 15 Maßschuhe von Meisterhand. Andreas Kudweis leitet das Geschäft in dritter Generation. „Eigentlich hat alles in Ottakring begonnen”, erzählt Kudweis. „Aber damals gab es noch wesentlich mehr Schuhmacher.” Er selbst hat das Handwerk von seinem Vater gelernt. Vom Maßnehmen bis zum fertigen Schuh weiß Kudweis über jeden Arbeitsschritt genau Bescheid: „Es gibt nicht mehr viele, die sich so gut mit dem Handwerk auskennen.” Und das übrigens bei Herren- und Damenschuhen.

„Wir können sehr genau auf Kundenwünsche ein- gehen, da wir wirklich alles selbst machen”, so Kudweis. Am einfachsten ist das natürlich, wenn man gleich eine Vorlage oder ein Foto von dem gewünschten Modell mitbringt. Auch was das Material angeht, hat Kudweis einiges auf Lager – nur kein Plastik: „Wir arbeiten fast ausschließlich mit Leder, manchmal auch mit Stoff.”

Aber auch Leder gibt es in unzähligen Ausführungen und Farben: „Wenn uns Kunden ein Modell vorbei- bringen, das sie gerne auch in einer anderen Farbe hätten, ist das im Normalfall kein Problem.”

„Maßschuhe halten ewig”

Was die Vorteile von Maßschuhen gegenüber „Stangenware” angeht, hat Kudweis einige Punkte anzuführen: „Alleine was die Passform angeht, versichere ich jedem, dass er in unseren Schuhen einen wesentlich besseren Halt hat”, sagt Kudweis. Außerdem seien seine Maßschuhe extrem langlebig. „Insofern ist das auch eine gute ökonomische Entscheidung”, lacht Kudweis. Bis zu 20 Jahre lang sollen die Schuhe halten, wenn man sie richtig pflegt. „Es kommt natürlich auch darauf an, wie oft man sie trägt. Wenn man die Schuhe täglich anhat, ist die Lebenszeit natürlich kürzer.” Damit die Schuhe auch wirklich halten, gibt es zu jedem Paar natürlich auch Tipps für die richtige Pflege.

Sollte dann doch einmal etwas passieren, übernimmt Kudweis auch alle möglichen Reparaturen. „Wir können Schuhe zum Beispiel enger nähen, was heutzutage relativ selten ist und nur die wenigsten Reparaturschuster können. Wir nähen aber auch hauchdünne Schutzsohlen auf”, sagt der Schuhmacher. Solange es keine groben Schäden im Material selbst gibt, können Kudweis und seine Mitarbeiter beinahe alles richten. Das gilt übrigens auch für Schuhe, die Kudweis nicht selbst hergestellt hat.

Probetragen beim Schuster

Wie es sich für einen Traditionsbetrieb gehört, wird auch traditionell gearbeitet. Das reicht vom ersten Entwurf über das Vernähen des Schuhs bis zum letzten Schliff. „Jeder Kunde bekommt seine eigene Leiste”, erklärt Kudweis. Leisten sind eine Art Fußmodell aus Holz, das als Vorlage dient. Dieses bleibt auf Lager, damit der Kunde nicht für jeden Schuh extra vorbeikommen muss: „Außer natürlich, mein letzter Schuh für den Kunden ist vor 20 Jahren entstanden.” Dann wird eine Plastikvorlage gegossen, mit welcher der Sitz des Schuhs überprüft wird.

Insgesamt dauert es zurzeit vier bis sechs Monate, bis der Schuh fertig ist. „Das Wiener Handwerk erlebt gerade eine Art Renaissance, was man an den Aufträgen merkt”, erklärt Kudweis. Pro Schuh braucht der Meister etwa 25 bis 30 Stunden reine Arbeitszeit. Und was kostet das Ganze? „Also was einen herkömmlichen Herrenschuh angeht, sind es etwa 1.600, bei Frauen etwa 1.200 Euro.”

Text: Maximilian Spitzauer
Fotos: Fabian Skala

auf einen blick
Schuhatelier Andreas Kudweis
Wipplingerstrasse 15
1010 Wien
www.kudweis.at