Die stärkste Lampe der Welt

Doris Darling erregt mit ihren bunten Hantel-Leuchtkugeln Aufsehen unter Design-Fans.

Kunst und die damit verbundenen schönen Dinge des Lebens waren schon immer ihr Ding. Doch diese selbst zu designen, seine eigenen Gedanken und Gefühle einzubringen, um daraus etwas Besonderes entstehen zu lassen, das kann man auf keiner Schule lernen. Das spürte auch Doris Darling während ihres Studiums an der Universität für angewandte Kunst. Einflüsse gibt es viele, doch den eigenen Kreationen seinen Stempel aufzudrücken, dazu gehört schon wesentlich mehr.

Zuerst designte Darling Mode. Aber schon bald fühlte sie sich dadurch auf eine Schiene gedrängt, mit der sie sich so gar nicht identifizieren konnte: Schnitte entwerfen, Stoffe zuschneiden und, sofern alles glattgeht, ab nach Paris, um die eigene Haute Couture der Modewelt zu präsentieren. „Viel zu abgehoben und stressig", wie sie das heute sieht. „Das war auch der Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal mit dem Werkstoff Glas in Berührung kam. Das Glänzende, Schimmernde und die Fragilität faszinierten mich sofort", erinnert sich Darling.

Faszination des Schimmers

Bald darauf verschlug es sie an eine Hochschule für Kunst und Design in der Schweiz, wo Darling eine Ausbildung im Bereich „Luxury Product Design" absolvierte, die sie für ihre künftige künstlerische Laufbahn prägen sollte. „Es war das Handwerk, die Arbeit in der Werkstätte, das Gefühl, dem Glas Leben einzuhauchen", verifiziert sie ihre Kunst. Zurück in Wien begann Darling damit, mit Glas zu experimentieren, bis sie ihr erstes Modell einer „super strong lamp" in Händen hielt: ein Leuchtkörper, der aus zwei Kugeln besteht, die mit einer Stange verbunden sind und beim ersten Hinsehen ein wenig an die Kugelhanteln der Jahrhundertwende erinnert. Auf der „SalonSatellite" in Mailand, einer Messe für Jungdesigner, bekam sie endlich die Chance, sich mit ihrer „super strong lamp“ zu präsentieren. „Meine bunten Leuchtkugeln erweckten scheinbar großes Aufsehen. In der Folge erschienen meine Objekte in einem US-Kunstmagazin und 2019 lud man mich zur Jubiläumsausstellung ‚Die 100 interessantesten Glasobjekte’ im New Yorker Corning Museum of Glass ein", erzählt Darling.

In Margareten hat sie sich mit ihrem Atelier niedergelassen, wo sie ihre Einzelstücke kunstvoll drapiert, um kunstaffinen Menschen die räumliche Wirkung ihrer Arbeiten zu zeigen. Ihre Designs werden von diversen Betrieben in Österreich zum Leben erweckt. Nur die Herzstücke, die verschiedenfarbigen Glaskugeln, werden in Tschechien gefertigt, wo man seit Jahrhunderten der Tradition entsprechend mit Glas arbeitet. Die unterschiedlichen Lampenkreationen beeindrucken durch ihre ungewöhnlichen und skurrilen Formen, die mit der Kombination aus Glas und Metall den Eindruck entstehen lassen, dass man neben einem Leuchtkörper auch ein einzigartiges Kunstwerk in Händen hält.

Text: Wolfgang Unger
Fotos: Wolfgang Unger, Doris Darling