„Eine kleine Freude, die dich durch den Tag begleitet”

Wie Musik aus Kopfhörern soll die Wäsche des Labels „thezoo me” sein: belebend, inspirierend und nur für einen selbst bestimmt.

Farbenfroh, passgenau, hautfreundlich: Die Dessous, die Marlies Forenbacher in ihrem Alsergrunder Studio designt, sind anders als das, was man für gewöhnlich in den Unterwäscheabteilungen zu sehen bekommt. Und vor allem: Hier gibt es nirgendwo Schaumstoff für „ein bisschen mehr Oberweite”; keine Reifen, die Brüste in die „richtige” Form zwängen.

Für Theaterproduktionen war die Architektin und Bühnenbildnerin oft in Frankreich und hat bemerkt, wie sehr sich das dortige Verhältnis zu Unterwäsche von dem unsrigen unterscheidet: „Für Französinnen ist es selbstverständlich, dass man schöne Unterwäsche trägt, ohne dass man sie herzeigen muss. Es gibt dort auch weniger Push-ups, während man bei uns früher für kleine Körbchen fast nur Push-ups bekommen hat.”

Für Forenbacher ist dieses Spiel mit versteckter Attraktivität auch ein Ausdruck von Selbstliebe: „Ich habe gelesen, dass die französischen Frauen so sexy sind, weil sie jeden Tag schöne Unterwäsche tragen. Unterwäsche soll eine Freude sein, die dich durch den Tag begleitet wie Kopfhörermusik in deinen Ohren.”

Früher hat Forenbacher gerne bunte Bikinis getragen, „weil sich das anfühlt wie ein Sommertag, als könnte man jederzeit ins Wasser hüpfen” – und weil Unterwäsche in anderen Farben als Schwarz oder Weiß kaum erhältlich war. Vor einigen Jahren hat sie beschlossen, die Lücke, die sie auf dem heimischen Dessous-Markt sah, zu füllen. Das Label „thezoo me” war geboren. Gedacht ist es für Frauen, die sich mit den Leitsprüchen „Strahlen statt verführen” und „Unterstützen statt korrigieren” identifizieren. Und für kleine Brüste, denn Forenbacher kreiert Bralettes und Triangle Bras bis Körbchengröße C. Sie möchte damit Alternativen zu den Push-ups schaffen und mit dem Klischee aufräumen, dass nur große Brüste schön seien.

Geometrie macht‘s möglich

Bis die Schnitte für die BHs gepasst haben, musste Forenbacher einige Zeit lang tüfteln: „Dabei hat mir sehr geholfen, dass ich Architektin bin”, sagt sie. „Der geometrische Zugang hat gut geklappt.” Forenbacher geht es aber nicht nur um Aussehen und Tragekomfort, sondern auch um den Stoff der Wäsche. „In Asien zu produzieren, ist für mich nie in Frage gekommen”, sagt sie. Zu unsicher und zu gefährlich seien die Inhalte von Farbe und Garn. Von der Faser über die Bänder bis zur Produktion wird alles in Europa gefertigt, ein Gutteil davon sogar in Österreich. Die ersten beiden Kollektionen sind aus französischer Mikrofaser, die aktuelle Herbstkollektion ist aus österreichischer Buchenholzfaser. „Es war nicht einfach, nachhaltiges Material zu finden, das gleichzeitig guten Halt gibt”, sagt Forenbacher. Holzfaser ist ein wenig dicker als Mikrofaser und nicht ganz so elastisch – perfekt für Wäsche für die kältere Jahreszeit. Die Farben, die Forenbacher für ihre aktuelle Kollektion gewählt hat, sind auch etwas zarter und nicht so poppig wie bei den früheren Modellen.

Und noch einen Vorteil hat Naturfaser: „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Stoff durch seine hohe Atmungsaktivität und seine antibakteriellen Eigenschaften einen Erholungseffekt für die Haut birgt”, er- zählt die Designerin. Mit farbenfroher Unterwäsche auf der Haut und guter Musik im Kopfhörer ist man auch für einen grauen Novembertag gut gerüstet.

Text: Christine Bazalka
Fotos: Vrinda Jelinek