Frei von Designer-DNA

Christina Steiner vom Label „Gon“ fertigt Mode an der Schnittstelle von Kunst und Kultur.

„Man sieht so wahnsinnig viel Schrott auf dem Modemarkt“: Für ihre Konkurrenz findet Christina Steiner vom Label „Gon“ klare Worte. Was vielleicht etwas überheblich rüberkommt, ist jedoch vielmehr Zielstrebigkeit. Denn die hat Steiners Werdegang geprägt. Schon während ihres Studiums bei Raf Simons und Veronique Branquinho an der Universität für angewandte Kunst war für Steiner klar: Ihr Zugang ist kein kommerzieller, sondern ein künstlerischer. „Im vierten Jahr an der Uni habe ich für ein Projekt Kristalle gezüchtet oder mit 100-prozentigen Metallstoffen gearbeitet, mit denen man sonst Häuser verkleidet. Ich war einfach immer schon wahnsinnig Stoff- und Oberflächen-affin und mochte Prints. Das alles ging auch recht schnell in Richtung Haute Couture.“

Von großen Namen oder gar Vorbildern hielt (und hält) Steiner nicht viel: „Ich wollte immer meine eigene Handschrift behalten und auch nach meinem Abschluss mein frisches und junges Talent bewahren. Arbeitet man für einen großen Designer, nimmt man recht schnell auch dessen DNA an. Das wollte ich nie. Ich habe immer alleine gearbeitet.“ Schlag auf Schlag ging daher 2011 auch die Gründung ihres Labels direkt nach dem Studium. „Etwas naiv war ich damals vielleicht, aber ich habe gut reingefunden“, so Steiner selbstreflektiert. Was folgte, waren Präsentationen in Paris und viele internationale Kunden. Steiners Konzept, künstlerische Prints durch ihre Mode zum Leben zu erwecken, kommt gut an.

Kein Wunder: Hinter den federleichten Silhouetten aus Materialien wie Seide, Kaschmir und Viskose steckt jede Menge Arbeit – künstlerische, aber auch schon fast technische. Steiner entwirft die Prints selbst, teilweise am Computer. Die Muster selbst werden anschließend exklusiv von Künstlern wie etwa Alexander Ruthner oder Kerstin von Gabain umgesetzt. „Ich war immer schon mehr in der Wiener Kunstszene als in der Wiener Modeszene verankert. Ich habe mich von der modischen Richtung fast schon abgeschottet“, sagt Steiner.

Blusen und vor allem Kleider – jeweils ab rund 300 Euro – sind die Verkaufsschlager bei Steiners Kunden. Unter den rund 15 Prints, die pro Saison kreiert werden, kann man sich dann für jedes Modell oder jeden Schnitt auch einen eigenen präferierten Druck aussuchen. „Diese Kombination kommt besonders gut an“, so Steiner. Produziert wird ausschließlich in Europa, nur die Kaschmir-Stücke werden traditionellerweise in der Mongolei gefertigt.

Was Steiner von den Wienern in Sachen Mode hält? „Jugendlich, aber nicht wirklich sehr experimentell, eher der klassische Typ. Aber ich habe auch viele Kunden aus dem Kunst- und Kulturbereich.“ Das trifft übrigens ebenfalls auf Steiners derzeitiges Aushängeschild Mavie Hörbiger zu. Die Schauspielerin präsentiert im aktuellen Lookbook nämlich die „Gon“-Kreationen. „Sie ist mittlerweile eine Freundin und zugleich Muse geworden“, so Steiner.


Text:
Andrea Peetz
Fotos: GON





shopping
PARK Concept Store:
Mondscheingasse 20
1070 Wien
www.gonvienna.com