Wenn Oma nicht gewesen wäre,…

… dann hätte sich Designerin Sabinna Rachimova vielleicht einen ganz anderen Beruf ausgesucht.

Sabinna Rachimova stammt, wie ihr Name bereits erahnen lässt, aus Russland. In ihren ersten Lebensjahren hat sie viel Zeit mit ihrer Großmutter verbracht, die ihr auch das Handwerk des Nähens beigebracht hat. „Meine Oma war keine Schneiderin, doch sie wollte auch im Alter noch aktiv am Berufsleben teilnehmen. So übernahm sie von Freunden und Nachbarn, aber auch von Fremden einige Nähaufträge“, plaudert Rachimova aus dem Nähkästchen. „Ich durfte sehr oft dabei zusehen und meine Oma zeigte mir verschiedenste Handgriffe. Mich hat die Technik dahinter fasziniert, das eigentliche Handwerk.“

Mit zarten sechs Jahren kam Sabinna Rachimova mit ihren Eltern nach Wien und besuchte auf deren Wunsch ein Gymnasium. „Dort wurde der Fokus mehr auf Sprachen gelegt als auf Kunst. Das hat mir bereits als Teenager gefehlt“, so die Designerin. „Also versuchte ich, mich eigenständig in die Materie einzuarbeiten. Ich las Bücher und absolvierte in meinen Ferien diverse Praktika in der Modebranche. Meine erste Stelle war bei der Handelskette Schöps, die heute nicht mehr existiert.“

England statt Österreich

Schon nach ihren ersten Berührungen mit Mode wusste Sabinna Rachimova, dass sie ihre Berufung gefunden hatte: „Ich wollte Modedesign studieren.“ Doch zu Beginn waren ihre Eltern davon nicht sonderlich begeistert. „In Österreich gab es keine wirkliche Erfolgsgeschichte einer Einzelperson in der Modebranche“, erinnert sich Rachimova.

Bedenken hatte sie jedoch auch selbst, als sie sich bei der Universität für angewandte Kunst bewarb und nicht aufgenommen wurde. „Also studierte ich mitwenig Begeisterung Slawistik und jobbte nebenbei in der Modebranche“, erzählt sie. Einer dieser Stellen verdankt sie auch

ihren weiteren Werdegang: Ihre damalige Chefin erinnerte sie daran, dass es auch außerhalb Österreichs Schulen für Mode gibt. „So fand ich das Central Saint Martins College of Art and Design in London. Meine Bewerbung hielt ich geheim, da ich Angst hatte, auch dort nicht aufgenommen zu werden.“ Es dauerte nicht lange, da flog ein Antwortbrief ins Haus der Rachimovas. Es war die Zusage der Universität. „Plötzlich änderte sich auch die Einstellung meiner Eltern. Sie waren sehr stolz auf mich.“ Doch die Studiengebühren sind in England anders gestaffelt als in Österreich. Ein Bachelor-Studium kostete damals um die 3.000 Pfund pro Jahr. „Ich hatte Glück: Meine Eltern konnten sich die Ausgaben leisten. Auf den Master habe ich aber aus finanziellen Gründen verzichtet.“

Heute hat Rachimova noch immer keinen Master, dafür ein eigenes Modelabel namens „Sabinna“ und sie ist Dozentin an ihrer ehemaligen Universität. „Ich wusste schon immer, dass ich meinen eigenen Weg in der Modebranche gehen will. Die Selbständigkeit war somit einer klarer Schritt für mich. Natürlich war das anfänglich eine große Herausforderung, beziehungsweise ist es das noch immer. Denn was heute angesagt ist, kann morgen schon wieder alt sein“, erklärt sie.

Sabinna Rachimova möchte in ihrer Mode Stil und Ästhetik  miteinander vereinen und dabei den Respekt vor den Schöpfern der Designs in den Vordergrund rücken. Besonders wichtig war und ist ihr auch das Thema Nachhaltigkeit. So produziert sie zum Beispiel nur in der Nähe ihrer Shops, die mittlerweile in England und Österreich zu finden sind. Außerdem versucht sie, mittels eigener Pop-up-Stores ihre Mode direkt bei den Menschen zu verkaufen und gleichzeitig Workshops anzubieten, die sie großteils auch selbst leitet, um Interessierten das Nähen, Stricken oder auch Häkeln beizubringen.

Text: Larissa Reisenbauer
Fotos: Sabinna



auf einen blick
Sabinna
Thimiggasse 13
1180 Wien
www.sabinna.com