"Mein ganzes  Leben ist Musik"

Patricia Hood-Koll hat sich ihren Lebenstraum erfüllt: Sie spielt bei den Wiener Philharmonikern und im Staatsopernorchester die erste und die zweite Geige.

„Ich genieße jedes Konzert, jede Opernaufführung und jeden Ballettabend. Denn kein Auftritt ist wie der vorherige, sondern immer eine neue Herausforderung“, sagt die 31-jährige Patricia Hood-Koll, die bereits mit drei Jahren mit dem Geigenspiel begonnen hat. Ihren ersten Violinunterricht erhielt sie von ihrem Vater Heinrich, bis zu seiner Pensionierung Ende 2019 erster Bratschist bei den Wiener Philharmonikern. „Freiwillig“, betont sie. „Das war für mich eigentlich ganz logisch. Bei uns zu Hause wurde ständig musiziert: Mein Vater übte an der Bratsche, meine Mutter war Chorsängerin in der Staatsoper und sang ständig, sogar im Auto, wenn sie uns zur Schule brachte.“

Als besonderes Talent wurde Hood-Koll schon mit fünf Jahren an der Musikuniversität und am Konservatorium Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien unterrichtet. Es folgten ein Master an der Musikhochschule Stuttgart und Meisterklassen in New York. Die Matura am Musikgymnasium Wien in der Neustiftgasse absolvierte sie 2006 fast nebenbei. Mit gerade einmal 17 Jahren begann sie ihre Substitutentätigkeit an der Staatsoper, 2009 bei den Wiener Philharmonikern.

„Das Probespiel an der Staatsoper ist Voraussetzung dafür, dass man – zunächst für eine gewisse Probezeit, dann fix – in das Staatsopernorchester und bei den Philharmonikern aufgenommen wird“, erklärt Hood-Koll. 2012 war es so weit: „Ich habe mich ein Jahr lang auf das Probespiel vorbereitet, viel geübt, mit meinem Mann, der ebenfalls Musiker ist, Konzentrations- und Atemübungen gemacht und vor Kollegen gespielt, um von ihnen Feedback zu bekommen. Das Vorspielen im Mahler-Saal war mein größter Erfolg: Mein Lebenstraum wurde wahr.“ Was macht das Spielen in und mit einem großen Orchester aus? „In einem Orchester zu spielen, heißt, sein Können einzubringen, ohne herausstechen zu wollen. Es ist Anpassung, man muss gut zuhören und darauf achten, was die Sänger, der Dirigent und die anderen machen“, erklärt Hood-Koll. Dahinter steckt viel Arbeit: täglich Vormittags- und Nachmittagsproben, oft in zwei unterschiedlichen Häusern, am Abend und an vielen Wochenenden dann Konzerte, Opern und Ballettvorstellungen.

Mit der Staatsoper verbindet Hood-Koll übrigens eine lebenslange Liebe: „Meine Mutter hat mich als Kind oft zu Proben und Auftritten mitgenommen, wenn kein Babysitter da war. Ich durfte dann in ihrer Garderobe warten, habe mich geschminkt und wurde von der Garderobiere liebevoll betreut.“ Inzwischen ist Hood-Koll selbst Mutter eines fast zwei-jährigen Sohnes, Oliver, der auch sehr musikalisch ist: „Er hat ein kleines Kornett aus Plastik und versucht ständig, die Mundstücke meines Mannes, der Trompeter ist, zu klauen.“

 

Text: Ulrike Kozeschnik-Schlick
Fotos: Ulrike Kozeschnik-Schlick, Martin Kubik