Unser Körper ist unser Instrument

Staatsopern-Balletttänzer Davide Dato bringt italienische Tanzkunst nach Wien.

Wenn er über die Bühne der Staatsoper schwebt, vermittelt er eine Leichtigkeit, die schnell vergessen lässt, welch hartes Training hinter einer Ballettnummer steckt. Bedingungslose Hingabe und Leidenschaft für den Tanz sind die Voraussetzungen dafür. Genau das bringt Davide Dato, der Erste Solotänzer des Ballettensembles der Wiener Staatsoper, mit. Fast die Hälfte seines Lebens hat der 29-Jährige nun schon in Wien verbracht. Dato wurde in Biella in Piemont geboren. Schon als Kind zeichnete sich seine Karriere ab. „Als ich klein war, habe ich mit meiner Schwester in der Wohnung getanzt“, erinnert er sich. Er nahm Unterricht in Hip-Hop, Salsa, Mambo und Merengue, gewann schon damals die italienische Meisterschaft und begann daraufhin mit modernem Tanz. Ausschlaggebend für Datos weiteren Lebensweg war seine Professorin in einem Sommer-Workshop, die ihm sagte, er solle unbedingt Ballett lernen.

Im Alter von 13 Jahren fiel schließlich die Entscheidung für die Ballettkarriere. Diese wurde ihm jedoch nicht gerade in die Wiege gelegt. „In meiner Familie hatte niemand eine Verbindung zu Musik oder Tanz, lediglich meine Schwester und ich. Auch sie ist heute Tänzerin und als Solistin im Hessischen Staatstheater Wiesbaden engagiert“, so Dato. Als Junge im Ballett bekam er öfter negative Kommentare von seinen Schulkollegen zu hören. „Wenn du etwas willst, dann ist es scheißegal, was die anderen sagen“, ist Dato aber überzeugt. In Mailand besuchte er zwei Jahre lang eine professionelle Schule, bis er ein Stipendium an der Ballettschule der Wiener Staatsoper erhielt.

 

Italo-Flair und Wiener Charme

„Ich hätte anfangs nie geglaubt, dass ich so lange in Wien bleiben würde“, lächelt er. „Aber Wien ist mein Zuhause geworden. Ich liebe diese Stadt.” Nachdem er den anfänglichen Kulturschock überwunden hatte, ist Dato schon fast zu einem waschechten Wiener geworden. „Ich liebe die Wiener. Ich bin sogar selbst etwas kälter geworden“, lacht er. „Die Italiener sind ja eher laut und chaotisch. Hier ist alles ruhig und organisiert.“ Sogar mit dem österreichischen Essen kann sich der stolze Italiener mittlerweile halbwegs anfreunden. Ein Ausflug zum Wiener Italiener seines Vertrauens darf jedoch nicht fehlen. „Ich koche zu Hause oft italienisch. Ab und zu gehen wir auch in Wien italienisch essen. Aber das Original findet man selten woanders.“ Was ihm in Wien am meisten gefällt? „Es gibt viele Kaffeehäuser. Dort bin ich gerne und lese“, erzählt Dato. Zeit dafür bleibt ihm jedoch kaum: Täglich neun Stunden wird in der Staatsoper trainiert.

Die Regeln im Leben eines Tänzers sind klar. Neben den rigorosen Trainingsplänen und Aufführungen gilt auch: Der Körper ist das Kapital – und darauf muss geachtet werden. „Ich achte auf meine Ernährung. Natürlich gibt es auch ab und zu mal Ausnahmen, aber grundsätzlich gilt: kein Alkohol, kein Zucker“, erklärt Dato. „Ich bin Vegetarier und esse viel Fisch. Es gibt auch spezielle Nahrung gegen Entzündungen.“ Auf eines kann der Italiener jedoch nicht verzichten: „Ich liebe Pasta“, lacht er. Auch das Ausüben von gefährlichen Sportarten ist für ihn selbstverständlich tabu. „Unser Körper ist unser Instrument. Es braucht Disziplin und ich muss physisch stark sein“, so Dato. Von seinen Eltern hat er dabei stets Unterstützung erhalten, wovon er bis heute zehrt.

Große Rollen auf der Bühne hat Dato bisher schon viele gespielt. Er durfte bereits die meisten Hauptrollen im klassischen und modernen Repertoire der Wiener Staatsoper tanzen. Ein Wunsch bleibt jedoch: „Ich würde gerne einmal in Romeo und Julia tanzen.“ Auch zahlreiche Preise und Auszeichnungen darf Dato bereits sein Eigen nennen. „Das ist immer schön, aber ich habe das nie als mein Ziel gesehen“, sagt er dazu. „Das ist eine Anerkennung, die zeigt, dass ich den richtigen Weg gehe.“


Text:
Yvonne Brandstetter
Fotos: Gabriele Schacherl