„Mein Fetisch ist der Beton“

Holz und Stahl sind als Möbelwerkstoffe altbewährt und auch schön anzusehen. Aber Beton? Die Möbelmanufaktur Fe-Tisch machts möglich.

„Klassischer Beton wirkt als Werkstoff oft grob und plump“, sagt Firmenchef Serge Türk im Büro der Möbelmanufaktur Fe-Tisch in der Margaretner Zeinlhofergasse 11/9. „Veredelt man ihn, kommen aber seine faszinierenden Facetten an die Oberfläche.“ Betonmöbel liegen im Trend, genauso wie ein auf nur wenige Werkstoffe reduziertes Design. Seit 2016 baut Türk schon bequeme Möbelstücke aus dem steinharten Material. Heute reicht sein Angebot vom Hocker mit Betonsitzfläche bis hin zum maßgefertigten Esstisch mit Carbonarmierung. „In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Werkstofftechnik massiv weiterentwickelt. Brauchte man früher für den Betonguss eine massive Stahlarmierung, genügen heute filigrane Carbongitter zur Versteifung.“

Beim Gießen verwendet man bei Fe-Tisch nur wenig Wasser. „So können wir extrem dünne Betonplatten gießen. Dabei gehen wir bis auf acht Millimeter Dicke hinunter“, erklärt Türk und setzt sich auf einen Esstisch. „Trotzdem sind unsere Betonoberflächen widerstandsfähig und stoßfest. Durch die erprobte Zementmischung macht dem Beton etwa ein heruntergefallener Teller nichts aus – trotz geringer Materialstärke.“

Wie geeignet ist Beton als Tischoberfläche, etwa bei Saucen- oder Rotweinflecken? „Da kommt unser Know-how ins Spiel. Mit einer speziellen Imprägnierung wird der Beton für solche kulinarischen Unfälle völlig unempfindlich“, versichert Türk. Auch das Stahlskelett ist kein gewöhnliches: „Wir verwenden normalen Baustahl genauso wie Edelstahl. Mir ist der rohe Baustahl aber am liebsten, weil er das größte Potenzial hat. Behandelt man seine Oberfläche, wird er also poliert oder gebürstet, kann man großartige Effekte aus der Tiefe dieses uralten Werkstoffs herausholen.“ 

Originell und solide sind Türks Betonmöbel also. Aber kann man auf Beton auch bequem sitzen? „Die Betonoberflächen unserer Stühle und Hocker werden geschliffen, poliert und schließlich imprägniert, bis sie die Optik eines alten, speckigen Lederpolsters erhalten. Trotzdem bleibt es nichts als Beton“, so Türk. Wert wird aber nicht nur auf Äußerlichkeiten gelegt. Auch die Bequemlichkeit spielt eine Rolle: „Durch die geringe Dicke erwärmt sich der Beton beim Sitzen genauso schnell wie Holz.“

Wie ist Türk zu den Betonmöbeln gekommen? „Eigentlich bin ich Werbearchitekt. Mein Vater ist aber ein klassischer Häuslbauer und hat mir die Liebe zum Selbermachen mitgegeben“, so der 28-Jährige. „Beton war zunächst nur ein Hobby. Gemeinsam mit einem befreundeten Tischler habe ich mein Hobby aber irgendwann zum Beruf gemacht.“ In den Jahren nach der Firmengründung hat sich seine Faszination für den Werkstoff noch gesteigert – so sehr, dass er sich bald nur noch darauf konzentrieren möchte: „Wir planen, die Fertigung der Stahlgestelle an Spezialisten auszulagern, um bei unserer Arbeit den Beton ganz ins Zentrum rücken zu können.“ Infos: www.fe-tisch.at


Text:
Mathias Kautzky
Fotos: Fe-Tisch