Tischlern von mini bis maxi

Ob Großraumbüro oder Hocker: Jacqueline Pehack fertigt Möbel für jeden Geschmack.

Jacqueline Pehack ist eine der gefragtesten Tischlerinnen Wiens. Die Favoritnerin baut Möbel aus Massivholz, die sich klar von anderen Stücken unterscheiden. Dabei ist ihr kein Auftrag zu klein oder zu groß. Sei es die Einrichtung eines 1.000 Quadratmeter großen Büros oder ein kleiner Hocker: Die Handwerkerin zaubert etwas Besonderes. Die einzige Ausnahme: „Ich mache ausgefallene Sachen, keine Küchen aus weißen Spanplatten.”

Am Beginn steht immer der Kontakt mit dem Kunden: „Ich setze mich mit den Menschen zusammen und höre mir an, was sie sich vorstellen“, so Pehack. Dann überlegt sie, wie realistisch diese Ideen sind, und erklärt, wenn etwas nicht machbar ist. Nach dem Entwurf ist die letzte Hürde das Angebot. „Einige Menschen glauben: Wenn die Möbel bei Ikea so günstig sind, dann kann das der Tischler noch billiger“, lacht sie.

Ähnlich wie bei einem Schriftsteller die Angst vor dem weißen Papier ist das auch bei Pehack: „Am Anfang denke ich mir immer, dass die Arbeit extrem schwierig wird“, gesteht die Tischlermeisterin. „Aber mit der Zeit kommt die Lösung ganz von alleine. Und eigentlich sind mir die kniffligsten Sachen am liebsten.“

Hilfe bei der Anfertigung, Auslieferung und Montage erhält die 35-Jährige von einem Angestellten, mit dem sie die Möbel in ihrer Werkstatt am Favoritner Gewerbering anfertigt. Seit 36 Jahren gibt es die Möbelmanufaktur. „Wir sind ein Familienbetrieb“, erklärt Pehack stolz. Sie hat inzwischen die Firma von ihrem Vater Roman Pehack übernommen. Dieser hat sie in die Geheimnisse des Tischlerhandwerks eingeführt – mit Erfolg: Von den beinahe vier Jahrzehnten, die es die Möbelmanufaktur bereits gibt, führt die begabte Tochter schon fünf Jahre lang den Betrieb. In dieser Zeit hat sie sich einen Namen gemacht. So war sie etwa 2015 bei der Vienna Design Week dabei.

Vier Jahre später hatte sie bei der internationalen Designmesse „blickfang“ einen Stand. Auch außerhalb von Messen wird sie immer wieder von Designern angesprochen. Diese liefern ihre Ideen und die Favoritnerin setzt sie dann um. Wie Pehack zu den einzelnen Auftragskunstwerken steht? „Wir bauen die Stücke, um sie zu verkaufen“, meint sie pragmatisch und fügt ein wenig wehmütig hinzu: „Aber manchmal verliebe ich mich fast in die Möbelstücke und würde sie am liebsten behalten.“

Dabei war ihr anfangs gar nicht klar, dass sie Tischlerin werden wollte. „Das war eigentlich nie mein Traum“, erinnert sie sich. Nach ihrer Schulausbildung im Laaerberg Gymnasium wollte sie studieren. Schließlich entschied sie sich aber für ein College für Innenraumgestaltung. Auch die Kunstschule und Dekoration waren nicht ihr Ding. „Ich wollte mit meinen Händen arbeiten“, erinnert sie sich. In Mödling fand sie dafür die richtige Schule. „Die Werkstätte dort war für mich aufregend.“ Obwohl jede Woche sechs Stunden Werkstatt auf dem Stundenplan standen, war das für Pehack zu wenig.

Heute kann sie sich nicht über zu wenig Zeit in der Werkstatt beschweren: Jeden Tag arbeitet sie an neuen Möbelstücken. Da bleibt dann auch nicht viel Zeit für etwas anderes. Auf die Frage nach ihren Hobbys lacht sie: „Ich bin selbstständig.“ Wenn es die Zeit zulässt, dann läuft sie in der Löwygrube, im Kurpark und am Laaer Berg. Auch Rock- und Jazz-Konzerte besucht die 35-Jährige: „Ich bin ein Alt-Punk.“ Und last, but not least: „Auch in meiner Freizeit bin ich gerne in der Tischlerei.“ Sie sieht optimistisch in die Zukunft: „Man darf nicht aufhören, zu träumen“, ist sie überzeugt. Einer Sache ist sich Pehack sicher: Ihrem Favoriten möchte sie treu bleiben. Denn seit ihrer Geburt lebt und arbeitet sie im 10. Bezirk, den sie so sehr liebt.

Text: Karl Pufler
Fotos: Pehack

kontakt
Möbelmanufaktur J. Pehack
Favoritner Gewerbering 44
1100 Wien
www.jpehack.at

kontakt
Möbelmanufaktur J. Pehack
Favoritner Gewerbering 44
1100 Wien
www.jpehack.at