Venedig sehen und genießen

Autor und Gastronom Wolfgang Salomon gibt Einblicke in unbekannte Teile der Lagune.

„Mir sind Leute suspekt, die von Venedig nicht fasziniert sind”, erklärt Wolfgang Salomon und stellt einen Espresso auf den Tisch seiner „Spezerei”. Das Lokal am Karmeliterplatz hat sich auf Speisen und Weine aus Veneto und Friaul spezialisiert. Neben der kleinen Tasse liegt Salomons neues Buch „Venedig und die Lagune für Fortgeschrittene”, ein reich bebilderter Reiseführer der besonderen Art. „Es ist bereits mein drittes Buch über Venedig und beschreibt die Phase drei des Venedigbesuches”, erklärt Salomon. „Wenn man das erste Mal nach Venedig kommt, besichtigt man Rialto und San Marco. In Phase zwei erkundet man die kleinen Gassen abseits der Touristenströme. Und in Phase drei geht man hinaus in die Lagune – Venedig ist mehr als nur die Stadt. Die Lagune ist ein Gefüge mit kleinen, diffizilen Konstanten.”

In vier Kapiteln kann der Leser nun diese unbekannte Lagune kennenlernen: „Lost Places” wie die ehemalige Filmstadt Cinevillaggio, in der einst Luchino Visconti in den Scalera-Film-Studios gedreht hat, oder verfallene Bunkeranlagen wie die Batteria Ca’Bianca. „Die Kapitel bewegen sich vom Zentrum der Stadt bis in Gebiete, die seit Jahrzehnten leer stehen”, so Salomon, der seine Leidenschaft für die italienische Küche auch ins Buch einfließen lässt. Jedes Kapitel enthält Touren samt Karten, gefolgt von Bonmots und persönlichen Tipps sowie einem Rezept. „Das sind Gerichte, die ich in Bacaros gegessen und für mich adaptiert habe. Zum Beispiel marinierte Jakobsmuscheln verfeinert mit Vanilleöl.”

„Der schönste Ort in der Lagune ist für mich der Lido mit seiner dörflichen Gemeinschaft. Dort verbringe ich die Sommerurlaube mit meiner Familie”, schwärmt er während er aufsteht, um in der Küche Iota Triestina, ein altes Hafenarbeitergericht aus Triest, zuzubereiten. Gibt es eigentlich einen Geheimtipp, der so geheim ist, dass er im Buch nicht erwähnt wird? „Ja, natürlich! Den kann ich aber nicht verraten, weil er so geheim ist.”

Text: Maria-Theresia Klenner
Foto: Maria-Theresia Klenner