Ein Album, um die Welt zu retten

Penzinger Valerio Dittrich alias Motsa über Schildkröten im Lainzer Tiergarten, Ego-Probleme und seine neue Platte „Perspectives”.

„Last Night a DJ Saved My Life” sangen Indeep schon 1982. Valerio Dittrich alias Motsa will 37 Jahre später nicht nur ein einziges Leben, sondern gleich die ganze Welt retten. Und das nicht mit einem einzigen Song, sondern mit einer 52-minütigen elektro-poppigen Reise durch sein Album „Perspectives”, das am 24. Mai erscheint. Wie das gehen soll? Mit – quasi nomen est omen – Perspektivenwechsel.

„Es geht mir um die teilweise verschobenen, menschlichen Perspektiven, die zu unfassbaren Konflikten führen können. Wir leben in einer Gesellschaft, in der mit dem Finger auf den anderen gezeigt wird, weil jeder alles nur aus seiner eigenen Sichtweise betrachtet.” Mit „Ego abschalten und sich in den anderen reinversetzen” hält Dittrich dagegen: „Das fällt mir zwar auch überhaupt nicht leicht, aber es wär ein Weg, um in dieser Welt auf Augenhöhe zu kommen und Konflikte – vor allem politische – viel leichter zu lösen.”

Für Dittrich ist das aber nicht nur ein globaler Zustand: „Das Thema hat mich auch in meinem privaten Umfeld während des Album-Schreibens begleitet.” Schreiben, das passiert größtenteils in seinem 13 Quadratmeter kleinen Studio, integriert in eine Altbauwohnung im 14. Bezirk mit Blick auf den Lainzer Tiergarten. „Wenn ich’s nicht spür, gehe ich raus in den Wald”, sagt Dittrich. „Dort gibt’s nur ein paar Schildkröten, ein paar Frösche und ein paar Vögel. Das hilft, den Kopf auszulüften, runterzukommen, sich zu erden.” Ein einziges Geräusch kann dann auch schon als Inspiration für ein Lied reichen. „Oder ich setz mich ans Klavier, spiele irgendetwas und es fließt einfach. Das ist fast wie ein Wahn, der einen überkommt – halt nur für fünf Minuten. Aber für mich sind sowieso die Songs die besten, die recht schnell entstanden sind.” Aber nicht alle Songs hat Dittrich quasi „akut” geschrieben: „Der Abschluss-Track war etwa schon vor drei Jahren fertig. Das wusste ich einfach. Viele andere Lieder sind im vergangenen Jahr entstanden. Das Album ist quasi eine große Patchwork-Familie.”

Das trifft auch auf Dittrichs persönlichen Background zu. Der gemeinsame Nenner: die Kunst. Aufgewachsen mit seiner österreichischen Mutter in einem „kleinen Kaff am Meer in Schottland”, der russische Vater Performance-Künstler, der Bruder am musischen Gymnasium, der Stiefvater Symphoniker – von nix kommt bekanntlich nix.

Wer jetzt bei Dittrich in Sachen Musik auf Liebe auf den ersten Blick tippt, liegt falsch: „Mit acht Jahren musste ich mit Klavier anfangen. Meine Mutter war da zwar beim Üben sehr streng – das musste jeden Tag sein –, aber fünf Minuten haben dann auch schon mal gereicht.” Die musikalische Förderung fruchtete. „Mit zwölf Jahren wollte ich Oboe und Jazz-Klavier lernen. Da hab ich’s dann kapiert: Ich profitiere von der Musik.” Und nicht nur von der klassischen, um sich ausdrücken zu können: „Fatboy Slim und Co., das war in meiner Jugend meine Musik auf den Partys in Schottland.

Da bin ich als 16-jähriger schüchterner Valerio beim Tanzen ein bisschen aus meiner Haut rausgekommen. Heute würde ich allerdings nicht mehr die ganze Zeit ohne Ohrstöpsel direkt vor den Boxen verbringen.” Musik zum Tanzen: Das ist auch weiterhin der Ansporn Dittrichs. „Ich will keine Sitzkonzerte spielen – das hat mich als Kind schon gelangweilt. Alle elf Tracks auf ‚Perspectives’ sind sehr melodisch, richtig zum Reinkippen gedacht.” Ob das reicht, um damit die Welt zu retten? Am 7. Juni werden wir es wissen.

Text: Andrea Hörtenhuber
Foto: Julian Mullan

auf einen blick
Motsas nächste Single „Rolling
Back” erscheint am 26. April,
das Album „Perspectives”
am 7. Juni.
www.motsamusic.com