Hörner mit Persönlichkeit

Thomas Petz hat 2008 die Hornmanufaktur seines Großvaters revitalisiert. Neben dem klassischen Hornkamm werden heute im 15. Bezirk auch Schmuck, Tischkulturobjekte und Accessoires angefertigt.

Offiziell besteht die Hornmanufaktur Petz in der Nobilegasse seit 1862. Das Wissen über das Handwerk und das Material dafür wurde mit Tobias Petz beginnend von Generation zu Generation weitergegeben. Mit dem Pensionsantritt von Friedrich Petz, dem letzten Hornmachermeister Österreichs, fand die Familientradition ein vorläufiges Ende. „Die Kinder meines Großvaters haben das Unternehmen nicht weitergeführt. Mein Vater hat mich dann auf die Idee gebracht, mir das anzuschauen”, erzählt Thomas Petz.

Gab es Anfang des 20. Jahrhunderts noch gut 200 Hornkammmacher in Österreich, so ist es heute ein freies Gewerbe. Dieses hat sich Thomas Petz von seinem damals 80-jährigen Großvater von Grund auf beibringen lassen. „Ich fand den Geruch in der Werkstatt immer besonders. Das sind Kindheitserinnerungen, die Metamorphose von einem runden Horn zu einer Platte und einer veredelten Oberfläche”, schwärmt Enkel Thomas.

Hin und weg war der junge Petz von dem Handwerk. Zu sehen, wie etwas funktioniert, habe in ihm ein „großes Wow” ausgelöst. Das war der Startschuss zur Revitalisierung der Hornmanufaktur, in den ersten Jahren noch intensiv von den Großeltern begleitet. Das verarbeitete Horn – rund drei Tonnen pro Jahr – wird aus Zentral- und Südafrika bezogen und ist ein Abfall- bzw. Nebenprodukt der Fleischindustrie. „Heimische Rinder haben leider zu kurze und dünnwandige Hörner dafür”, schildert Petz die Qualitätsunterschiede. Die Spitzen werden abgetrennt, das hohle Horn aufgeschnitten und unter Hitzeeinwirkung zu Platten gepresst. Nach einer mindestens dreimonatigen Lagerzeit kann es verarbeitet werden.

Regionalität trifft Handwerk

Schon die Großeltern hatten neben dem Hornkamm bis zu 400 weitere Artikel im Angebot. Der Qualitätsanspruch setzt sich bis heute fort. „Regionalität und das Handwerk haben wieder mehr Bedeutung. Bei uns hat jedes Produkt Persönlichkeit. Das zählt bei den Menschen”, ist sich Petz sicher. Aufgrund seiner Farbgebung ist jedes Stück ein Unikat. Traditionsreiche Kamm- und Bürstengeschäfte, Optiker, Schmuckgeschäfte und Designer sind heute in Österreich, Deutschland und der Schweiz die Hauptkunden. Dazu kommen ein eigenes Geschäft in Graz und ein Online-Shop.

Neben computergesteuerten Fräsmaschinen findet man in der Werkstatt nach wie vor von den Großeltern selbst entworfene Geräte und Maschinen. Langlebigkeit bekommt hier einen Namen. Warum Hornprodukte voll im Trend liegen, ist für den Hornmacher leicht zu erklären. „Ein klassischer Hornkamm besticht durch seine antistatische Wirkung. Er lädt das Haar nicht auf, ist am Zahn poliert und schön anzugreifen”, schwärmt Thomas Petz von seinem Paradeprodukt. Mehr Informationen: www.petz-hornmanufaktur.at

Text: Michael Payer
Fotos: Petz