Kulinarische Lesereise nach Tel Aviv

Familie Molcho ist nicht zu stoppen. Neben Lokalen in der ganzen Welt und einer eigenen Supermarktlinie ist nun das fünfte Kochbuch erschienen.

Wann haben Sie überhaupt Zeit gefunden, das fünfte Neni-Kochbuch zu schreiben? 

NURIEL MOLCHO: Es ist eigentlich in zwei sehr intensiven Wochen in Tel Aviv entstanden.
HAYA MOLCHO: Wir haben eine tolle Küche in Florentin, einem der angesagtesten Grätzel, gemietet. Jeden Morgen war ich mit meinem Koch Elihay Biran am Markt. Dann wurde gekocht, Nuriel hat Fotos gemacht und wir haben mit Freunden und der Familie gegessen.

Wie unterscheidet sich „Tel Aviv“ von Ihren anderen Kochbüchern?
HAYA MOLCHO: Ich wollte dieses Mal auch die „Food-People” in den Vordergrund stellen und nicht nur Rezepte servieren. Wir haben Typen ausgesucht, die man als Tourist nicht kennenlernen würde. Der Leser erhält echte Insidertipps.

Haben Sie ein Lieblingsrezept im Buch und warum?
NURIEL MOLCHO: Rinderstew mit Lahoh – jemenitische Palatschinken – von einer alten Gewürzhändler-Familie. Dieses tausende Jahre alte Gericht war das Beste, was ich je in Israel gegessen habe.

Welcher Geschmack ist für Sie mit Ihrer Kindheit verbunden?
HAYA MOLCHO: Melanzani, Tomaten, Polenta, Mais und gefülltes Kraut.
NURIEL MOLCHO: Zhug – eine jemenitische Gewürzmischung aus Kräutern, Chilis und Knoblauch. Mein Vater isst immer scharf, und auch, wenn er woanders gegessen hat, hat er immer eine kleine Dose davon mitgehabt.

Im Vorwort bezeichnen Sie das Team von Neni als spontan und dass es zu Improvisationen neigt. Wenn man sich Ihr Imperium anschaut, kann man sich das gar nicht vorstellen …
HAYA MOLCHO: Die Perfektion stört die Spon-tanität nicht. Wir fällen viele Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Zum Beispiel unser aktuelles Buch. Es wurden uns davor schon sehr, sehr viele Kochbücher angeboten, die wir schreiben sollten. Aber das hat vom Bauchgefühl her nicht gepasst. Und dann kam plötzlich die Idee mit Tel Aviv, und wir wussten sofort, das ist es. Aber heutzutage kannst du natürlich nicht mehr nur spontan reagieren. Wir sind ein großes Unternehmen, da stecken viele Überlegungen dahinter. Dennoch steckt auch viel Leidenschaft und Spontanität in uns.

„Neni am Tisch” übersiedelt von der Donaustadt nach Gumpoldskirchen – wann ist es so weit?
HAYA MOLCHO: Das ist alles noch in Planung. Wir haben uns in den letzten Jahren unglaublich in der Produktion entwickelt. Wir platzen aus allen Nähten. Eine neue Produktionsstätte muss da gut durchdacht sein. Dabei lassen wir uns Zeit. Da machen wir nichts spontan.

Das Sortiment der Neni-Produkte für SPAR wird erweitert – dürfen Sie verraten, was es geben wird?
HAYA MOLCHO: Neue Salate und verschiedene Labanehs – das ist ähnlich wie Joghurt – mit eingelegten Zitronen oder auch Pesto. Dann haben wir eine tolle Bäckerin: Denise Pölzelbauer. Sie macht neue Pita-Cracker mit unseren Gewürzmischungen. Beides wird in Doppelkammern kombiniert – also mit Labaneh zum Dippen. Die ersten neuen Produkte soll es dann ab Oktober geben.

 

„Tel Aviv. Food. People. Stories“ (280 Seiten) ist ab sofort für 35 Euro im Buchhandel erhältlich.

 

Text: Nikki Gretz-Blanckenstein
Fotos: Nuriel Molcho, Brandstätter Verlag