Etappensieg auf der Weide

Früher fuhr Gerhard Zadrobilek Giro d’Italia und Tour de France. Mittlerweile hat er einen Gang zurückgeschaltet: als Kobe-Rind-Züchter.

Fast ein wenig versteckt, in einem Seitental des Liesingbachtals, liegt die kleine Gemeinde Laab im Walde, in die sich Gerhard Zadrobilek nach seiner aktiven Laufbahn als Radrennfahrer zurückgezogen hat. Von der Hauptstraße führt ein schmaler Weg zum Grundstück, wo sich der 57-jährige Ex-Radprofi ein schmuckes Holzhaus errichtet hat. Dort lebt Zadrobilek als Landwirt und tut das, was er schon immer wollte: Rinder züchten. Und zwar keine Gewöhnlichen, sondern japanische Wagyus – besser bekannt als Kobe-Rinder.

„Hier ist ein wenig Aufklärungsarbeit nötig. Als Kobe wird die Fleischsorte und nicht, wie oft fälschlich angenommen, die japanische Luxusrinderrasse bezeichnet“, erklärt Zadrobilek. Dass die Tiere von Hand mit Bier massiert werden, bezeichnet er übrigens selbst als Mythos, der aber ein Schmunzeln in seinen Mundwinkeln erkennen lässt. „Alles begann 1990, als ich das Grundstück erwarb und das Projekt Rinderzucht startete, zuerst mit schottischen Hochlandrindern, bis ich von der Rasse Wagyu erfuhr“, so Zadrobilek.

Erfüllter Kindheitstraum

Doch einfach gestaltete sich die Aufzucht der Tiere – per Embryonentransfer aus kanadischer Genetik – nicht. Aus den ersten zehn Embryonen, für die heimisches Braun- und Fleckvieh als „Leihmütter” dienten, wurden gerade mal drei Kälber geboren. Weitere fünf Jahre dauerte es, bis das erste Kalb aus eigener Zucht geboren wurde. „Geduld und ein wenig Glück gehören natürlich dazu“, so Zadrobilek. Doch der als Kämpfer bekannte Ex-Athlet ließ nicht locker: Im Laufe der Jahre entstand so eine Herde aus mittlerweile 13 Kühen und einem Zuchtstier. Das Fleisch liefern übrigens nur Ochsen. Die Qualität, mit der Zadrobileks „Kobe Beef Austria“ (als eingetragene Marke) mittlerweile aufwarten kann, ist das Ergebnis jahrelanger Erfahrung. Viele Faktoren spielen eine Rolle, einer davon ist artgerechte Haltung und natürlich ausgewogene Fütterung mit Mais und Getreidemischungen.

Zadrobilek, der schon als Bub seinen Hang zur Landwirtschaft und die Liebe zu Tieren nicht leugnen konnte, erfüllte sich mit seinen Wagyurindern einen Kindheitstraum. „In meiner Jugend war ich kaum von der Arbeit am Bauernhof wegzukriegen“, erzählt der jüngste Sieger der Österreich-Radrundfahrt und Teilnehmer am Giro d’Italia, der 1987 sogar den 14. Gesamtrang bei der Tour de France belegte. „Ausdauer und Ausgeglichenheit haben mich mein ganzes Leben begleitet. Das hat mir Kraft gegeben und die Überzeugung, dass man im Leben alles erreichen kann, wenn man es will“, philosophiert Zadrobilek.


auf einen blick
Kobe Beef Austria
Ruhlandweg 1
2381 Laab im Walde
www.kobe-beef-austria.at


Text:
Wolfgang Unger
Fotos: Wolfgang Unger

2018-10-10T09:41:16+00:00