Sie müssen nicht Russisch sprechen, um uns zu verstehen

Was auf dem Bandfoto eher nach grimmigen Herren aussieht, stellt sich beim Anhören ihrer ersten CD eigentlich als ganz handzahm heraus: Der „Russian Gentlemen Club” besteht aus Alexander Shevchenko, Georgij Makazaria, Aliosha Biz und Roman Grinberg.

Einer der bekanntesten Russen Österreichs ist „Russkaja”-Sänger Georgij Makazaria. Der gebürtige Moskauer lebt seit 30 Jahren in Wien und ist hier schon richtig heimisch. Der Mann mit rauer Stimme und dem Rauschebart ist einer der vier Musiker, die sich zum „Russian Gentlemen Club” zusammengeschlossen haben. Außerdem mit dabei: Teufelsakkordionist Alexander Shevchenko, Geiger Aliosha Biz und Roman Grinberg am Klavier. Die erste CD mit dem Titel „I” wurde gerade veröffentlicht – eine Huldigung an Musik aus Russland. „Darauf sind bekannte, aber auch unbekanntere Lieder. Es gibt aber auch Songs von alten Kino- und Zeichentrickfilmen”, so der 44-jährige Makazaria.

Singen auf Georgisch: Eine Challenge

Die vierköpfige Formation besteht seit fünf Jahren. Es gab bisher rund 20 Auftritte pro Jahr. Nach den Konzerten wurden die Musiker immer wieder nach CDs gefragt, doch es gab noch keine. Deshalb setzten sich Makazaria und Co. ins Studio und wollten innerhalb von zwei Tagen „schnell” einen Tonträger aufnehmen.

Aus zwei Tagen wurden drei Monate harte Studioarbeit. „Wir haben die Songs immer wieder verbessert. Jetzt sind sie richtig geil”, sagt Makazaria. So ist etwa eine Version von „Those Were The Days” in Russisch, Englisch und Deutsch zu hören. Ein Song wurde in Georgisch aufgenommen. „Die Sprache war eine riesige Herausforderung. Das ist, wie wenn man vietnamesisch singen muss.” Einen großen Karrieresprung erwarten sich die vier Herren des „Russian Gentlemen Club” von ihrer ersten CD nicht. Sie sind in ihren verschiedenen musikalischen Bereichen bereits erfolgreich und machen das Projekt nur zum Spaß an der russischen Musik. Weitere Tonträger sind bereits in Planung.

Wien ist wie Moskau, nur langsamer

Georgij Makazaria kam im Alter von 15 Jahren nach Wien und konnte so gut wie kein Wort Deutsch. Er besuchte die Polytechnische Schule und absolvierte danach die Handelsschule. „Die Sprache war kein Problem für mich. Innerhalb weniger Monate hatte ich sie halbwegs drauf”, sagt der jetzige Neubauer. Nur die Unterschiede zwischen den Städten seien etwas gewöhnungsbedürftig. „In Moskau ist alles viel schneller, die Menschen laufen auf den Straßen.” Und in Russland sollte man bei einem Zebrastreifen nicht so einfach über die Straße gehen. „In Wien aber schon, da warten die Autofahrer”, sagt der Künstler. Und auch die große Auswahl an Lebensmitteln war Makazaria fremd. „Ich kam schlank nach Wien”, verrät der Musiker.

 

Text: Thomas Netopilik
Foto: ww.r-g-c.at