Das güldene Oachkatzl

Nomen est omen in der Wiedener Goldeggasse: Waltraud Luegger bringt als Vergolderin und Staffiererin Altes und Neues zum Glänzen.

„Vergolden und Staffieren” wurde von der UNESCO im März 2017 als österreichisches immaterielles Kulturerbe anerkannt: „Für uns Vergolder und Staffierer bedeutet das eine Aufwertung unseres traditionsreichen Handwerks”, freut sich Waltraud Luegger, die in der – nomen est omen – Goldeggasse 21 ihr Atelier “GoldRichtig” führt. „Seit 1992 bin ich in diesem Handwerk tätig. Meine Lehre habe ich in der Steiermark ab geschlossen, dann war ich zwei Jahre Gesellin in einem Wiener Vergolderbetrieb – und habe schließlich die Meisterprüfung abgelegt”, erzählt sie stolz. Seither hat Luegger nicht nur bei der Restaurierung von Profan- und Sakralbauten, wie etwa dem Belvedere Museum oder der Kapuzinerkirche, sondern auch bei der Gestaltung von modernen Innenräumen mitgearbeitet, etwa im Restaurant Artner auf der Wieden.

Geschick, Ausdauer, Geduld

„Im privaten Bereich sowie in Hotels, Restaurants, Büros, oder Geschäften sind kreative Wandgestaltungen in Gold, Silber oder Kupfer verstärkt gefragt, weil sich einzelne Bereiche damit in einen einzigartigen Blickfang verwandeln. Das Vergolden und Staffieren von antiken Bilderrahmen, Möbeln oder Heiligenfiguren unterliegt aber keinen Trends und ist immer en vogue”, sagt Luegger. „Unser Handwerk beschränkt sich aber nicht auf alte Dinge – eine besondere Herausforderung ist die Neuherstellung von metallischen Oberflächen: Dabei ist es möglich, Räumlichkeiten mit einer wunderbaren neuen Aura auszustatten. Der künstlerischen Freiheit sind keine Grenzen gesetzt!” schwärmt die Künstlerin.

Die charakteristische Tätigkeit eines Vergolders besteht in der Verarbeitung von echtem Blattgold oder auch unechten Blattmetallen, wobei daneben aber noch eine Vielzahl anderer Materialien verwendet wird. „Wir arbeiten ausschließlich in Handarbeit mit überlieferten Techniken. Unser Beruf erfordert nicht nur künstlerische Begabung, sondern auch handwerkliches Ge

schick, Ausdauer und Geduld”, erklärt Luegger, als sie einen feinen Pinsel in die Hand nimmt. „Dieser Pinsel ist ein sogenannter ‘Anschießer’ – er wird aus einem Eichkätzchenschweif hergestellt”, erklärt sie. Gemeinsam mit dem Blattgold gehört er zu den wichtigsten Arbeitsmaterialien: „Blattgold darf bei der Restaurierung aber nicht beliebig eingesetzt werden. Je nach Material veredeln wir die Oberfläche durch die Auflage verschiedener Blattmetalle”, sagt die Meisterin.
 

auf einen blick
Atelier GoldRichtig
Goldeggasse 21
1040 Wien
www.atelier-goldrichtig.at


Text: Mathias Kautzky
Fotos: B.V.Ederer-Photosandmore.at

 

2018-10-10T09:43:46+00:00