Leidenschaft für Email seit 130 Jahren

Straßenschilder und Hausnummern im typischen Blau prägen unser Stadtbild. Produziert werden sie in der Neubauer Manufaktur Razim.

Es ist Montag Vormittag, und und ich betrete das Haus Nummer 63 der belebten Neubagasse. Draußen eilen Hipster mit ihren Coffee-to-go Bechern zur Arbeit und zur Uni, drinnen werden schon seit 130 Jahren Emailschilder hergestellt. Es erwartet uns gut gelaunt Ernst Mrskos. Er leitet in fünfter Generation die Emailschildererzeugung, die seine Ururur Großonkel Johann und Alois Razim gegründet haben. Mrskos beginnt sofort zu erzählen. Seit 1884 werden an dieser Adresse Emailschilder mit ihrer unverkennbar glänzenden Oberfläche und den brillanten Farben produziert. Ob es wirklich ganz genau das Jahr 1884 war und ob es die Manufaktur davor schon gegeben hat, weiß man gar nicht so genau, erzählt Mrskos. Fest steht, dass alles mit der Produktion von Ziffernblättern für Uhren, Skalen für Thermometer, Kinosesselnummern und Apothekenschilder begann. Seither hat sich an der Produktionstechnik weniger verändert, als in anderen Branchen.

Tattoos für Straßennamen

In der Emailschildererzeugung Razim werden immer noch jedes Straßenschild, jede Ehrentafel und jede Plakette einzeln hergestellt. Hier kommt nichts von einem Fließband. Bei der Herstellung eines Emailschildes werden zwei äußerst unterschiedliche Materialien durch große Hitze miteinander verbunden: Metall und Emailfarbe. So entstehen Schilder, die widerstandsfähig, wetterfest und langlebig sind. Dafür werden zuerst das Stahlblech zugeschnitten und Bohrungen gestanzt. Anschließend kommt es bei circa 800 Grad in den Brennofen, um Schmutz und Spannungen zu entfernen. Danach wird die Blechplatte in Säurebädern gebeizt, um sie endgültig von Verunreinigungen zu befreien. In mehreren Schritten wird dann Email aufgetragen und im Brennofen mit dem Blech verbunden. Mittels Siebdrucktechnik wird das Motiv, die Hausnummer oder der Werbeslogan im Anschluss von Hand mit einer Rakel – eine Art Spachtel – aufgebracht. Damit die Farbe auf dem Schild hält, muss es ein letztes Mal in den Ofen. Je nach Motiv und Farbe variieren die Brennvorgänge. Für Emailtafeln, die ein mehrfarbiges, aufwendigeres Motiv haben oder die gewölbt sind, wird eine andere Technik verwendet, aber das Grundprinzip ist das Gleiche. Es erinnert an Abziehbilder, die sich Kinder als Tattoos aufkleben.

Trotz Digitaltechniken und neuartiger Materialien blickt der Unternehmer zuversichtlich in die Zukunft: „Da Emailschilder nicht wesentlich mehr kosten und haltbarer sind, sind sie wieder populär geworden.“ Neben der Firma Razim stellt in Österreich nur noch ein zweites Unternehmen Emailprodukte her. Mrskos selbst freut sich, dass er nicht der einzige Produzent ist. Sonst würde man vielleicht vergessen, dass es diese Art der Herstellung überhaupt noch gibt.

Ich verabschiede mich und werfe auf dem Heimweg einen Blick auf die Straßennamensschilder und Hausnummern. Es kann gut sein, dass Ernst Mrskos, sein Vater oder Großvater sie mit ihrem kleinen Team produziert haben.

Text: Sigrid Dworak
Fotos: Markus Spitzauer

kontakt
Johann & Alois Razim
Neubaugasse 63
1070 Wien
www.emailschilder.at

2018-04-25T15:09:53+00:00