Handarbeit wie vor 300 Jahren

Manchmal liegt die Kunst im Bewahren: In der Manufaktur Augarten fertigt man Porzellan mit so viel Liebe zum Detail wie damals.

Noch heute gleichen viele Produktionsschritte in der Manufaktur der Fertigung vor 300 Jahren. Dass diese im Wesentlichen unverändert besteht, heißt nicht, dass sie nicht kompliziert ist – im Gegenteil. 25 Mitarbeiter sind beschäftigt, das Porzellan zu produzieren, 64 Mitarbeiter hat die Manufaktur insgesamt.

Bevor das Porzellanstück entsteht, muss ein Künstlermodell produziert werden. In detaillierter Kleinarbeit wird dieses geformt und geschnitzt – es muss 15 Prozent größer sein als das fertige Produkt, da Porzellan beim Brennen schrumpft. Vom Künstlermodell über die Gipsform geht es ans Gießen: Der poröse Gips nimmt Wasser aus der Masse auf, die Porzellanmasse trocknet von außen nach innen. Danach, wie dick die Wand sein soll, bemisst sich die Zeit, die sie in der Form bleibt. Den Rest ausgießen, das lederharte Stück herausnehmen und dann Unebenheiten ausbessern – mit viel Fingerspitzengefühl.

Danach werden einzelne Teile zusammengefügt – aufwändige Figuren bestehen schon einmal aus bis zu 80 Einzelteilen. Dann kommt der erste Brennvorgang bei 980 Grad im Ofen. Danach wird glasiert: Mitarbeiterinnen tauchen das Stück für wenige Sekunden in mit Wasser verdünnte Porzellanmasse. Dann müssen die Stücke für den Glattbrand noch ein zweites Mal in den Ofen: Bei 1375 Grad wird das Porzellan weiß, glänzend und hart. 

Im ersten Stock der Manufaktur haben die Maler ihren Platz. Sie sind es, die der Porzellanmanufaktur Augarten unter anderem zu ihrem hervorragenden Ruf verhelfen – vor allem in der Figurenmalerei haben sie sich durch die Jahrhunderte mit ihrer Liebe zum Detail ausgezeichnet. Die Maler haben Spezialgebiete: Einige verstehen sich besonders gut darauf, ruhige und gleichmäßig starke Ränder zu ziehen, einige malen Blumen, andere komplizierte geometrische Muster. Die Designs werden mit dem Kohlestift vorgezeichnet, dann koloriert und noch einmal schattiert. Danach – und auch dazwischen, wenn nötig – wird das Stück ein weiteres Mal gebrannt. Das 24-karätige Gold wird mittels Trägerstoff aufgetragen, der verbrennt – das verbleibende Gold wird dann noch einmal aufpoliert. Die beliebtesten Dekore sind Maria Theresia und Wiener Rose. Vor allem japanische Gäste mögen noch Vergissmeinnicht, weil die japanische Kaiserin Vergissmeinnicht sammelt und sogar ein solches Augarten-Service ihr eigen nennt.

Text: Christina Bazalka
Fotos: Fero Zboray

2018-04-25T15:11:35+00:00