Chilibauer mit Vorliebe für Süßes

Georg Kölbl hat mit seinem Chilihof im 22. Bezirk eine Marktnische im Gemüsesektor entdeckt.

Der Geruch in einem der Glashäuser auf Georg Kölbls Chilihof erinnert an den Duft von Paprika. Nur intensiver. Die zahlreichen hohen Stauden sind voll mit leuchtend orangen Scotch-Bonnet-Chilischoten. Und obwohl sie zum Anbeißen aussehen, sollte man vorsichtig mit den harmlos aussehenden Früchten sein: Mit einem Schärfegrad von rund 400.000 Scoville sind sie nämlich nur für wahre Schärfefans geeignet.

Und auch wenn sich Chilibauer Georg Kölbl beruflich ganz den scharfen Früchtchen verschrieben hat, hat er persönlich eine andere Vorliebe: „Ich bin privat ein Süßer. Also die richtig scharfen Chilis probier ich erst gar nicht“, so Kölbl.

Scharf, schärfer, Kölbl

Als „Wiens schärfster Bauer“ ist Kölbl mittlerweile in der ganzen Stadt bekannt. Der Familienbetrieb, den er vor fünf Jahren übernommen hat, besteht seit 112 Jahren in Breitenlee, am Rand der Donaustadt. Früher wurden hier Salat, Tomaten, Blumen und auch Paprika angebaut. Von Letzterem hängen noch einige Exemplare in einem weiteren Gewächshaus – als kleine Erinnerung an vergangene Zeiten. Doch weil das Gärtnerdasein in Wien immer schwieriger wurde, suchte der zweifache Familienvater ein Nischenprodukt, das in der Form noch nicht in Wien und Österreich angeboten wurde.

Schnell entschied er sich für Versuche mit Chilischoten und baute damals auf rund 400 Quadratmetern gerade einmal vier verschiedene Sorten an. „Ob es wirklich funktioniert, wussten wir damals alle nicht. Aber die Nachfrage war gleich von Beginn an da und so verdoppelten wir pro Jahr die Fläche zum Bebauen.“

4.400 Quadratmeter mit Chilis

Heute findet man von relativ harmlosen Jalapenos bis hin zu rot leuchtenden Carolina Reapers mit 2,2 Millionen (!) Scoville 20 verschiedene Chilisorten am Hof, die von Schäferhund Django bewacht werden. Der Großteil der Chilis wird als solches im Lebensmittelhandel angeboten. Aber auch veredelt in Form von Chiliöl, Chilisalz, Chilisaucen und sogar Chilimarmelade finden die Produkte von Georg Kölbl den Weg in die Regale und Restaurants in und um Wien.

Bis Ende Oktober sollen heuer rund 30 Tonnen Chilis geerntet werden, im vergangenen Jahr waren es 23 Tonnen. Geerntet und gepflanzt wird dabei ausschließlich manuell und auch beim Pflanzenschutz setzt Kölbl auf Bio. Statt chemischer Keulen kommen hier sogenannte Nützlinge zum Einsatz, die den Schädlingen auf sanfte Art und Weise den Garaus machen. Wie viel Arbeit hinter dem Erfolg des Chilihofs steckt, zeigen die intensiven Arbeitszeiten.

„Mein Tag beginnt um fünf Uhr früh und dauert rund zwölf Stunden. Auch am Wochenende müssen wir auf Abruf bereit sein, weil es immer wieder kleinere Gebrechen in den Gewächshäusern geben kann.“ Urlaub ist nur in der Weihnachtswoche möglich, in der sich Kölbl mit seiner Frau und den Kindern ein paar Tage Skiferien in Kärnten gönnt. Um die wachsende Nachfrage bewältigen zu können, arbeiten nach wie vor die gesamte Familie sowie zwei Saisonarbeiter im Betrieb mit. „Familienfreundlich ist mein Job sicher nicht, aber ich wollte nie etwas anderes machen und bin glücklich da, wo ich bin.“

Text: Conny Sellner
Fotos: Markus Spitzauer

2017-10-17T08:44:19+00:00