Die Geheimnisse der Frau Andrea

Kleine, feine Nischenprodukte und ausgefallene Düfte: Das ist das „Kussmund“.

Unten Gotik, oben Biedermeier: Wer das „Kussmund“ in der Habsburgergasse 14 zum ersten Mal betritt, ist wohl nicht nur aufgrund des Angebots an Beauty-Produkten beeindruckt: Der Charme des ehemaligen Mesnerhauses der Pfarre St. Michael hält einen sofort gefangen. Auf drei Stockwerken hat Chefin Marion Faber dort feinste Nischenprodukte und ausgefallene Düfte vereint. Frei nach dem Motto: Natürlichkeit, die hilft, „aber nicht an die Scholl-Schlapfen-Partie erinnert“, so Faber.

Und davon ist man wohl so weit entfernt wie der Teufel vom Weihwasser: Sämtliche Produkte kommen aus kleinen Manufakturen, großteils aus Österreich. Düfte, Deko, Haarpflege, Zahnpasta und Babyprodukte aus Österreich: Mit 60 verschiedene Marken wird zusammengearbeitet. Passen muss dabei alles von der Verpackung bis zum Geruch und Effekt: „Nur bio oder natürlich bringt nix. Die Produkte müssen auch helfen“, so Faber. Getestet wird alles von ihr selbst und ihren fünf Mitarbeiterinnen – allen voran Andrea Vacariu: Chefin der „Kussmund“-Truppe, seit Anfang an dabei und von Faber nur „Frau Andrea“ genannt.

Beauty-Trüffelschweine

„Sie ist ein wahres Lexikon der Kosmetik. Was sie nicht weiß, bringt ihr schlaflose Nächte“, so Faber. Kein Wunder: Vacariu ist seit 17 Jahren in der Parfümerie-Branche. Dass sie blendend aussieht, hat sie aber wohl nicht nur dieser Tatsache zu verdanken: Nichtraucherin, kein Alkohol und als einziges Laster Sport. „Die Genüsse hab ich schon längst hinter mir“, so „Frau Andrea“. „Zusammen ergeben wir aber eine ganz vernünftige Mischung“, ergänzt Faber.

Als perfekte Mischung könnte man hingegen das Angebot im „Kussmund“ bezeichnen: Pflege von „Olivarium“, einer französisch-österreichischen Zusammenarbeit, Düfte von Aqua Alpes mit Hochquellwasser, Seifen von Lederhaas aus Wien oder Männer-Pflege von SA.AL & Co. Obendrauf gibt’s Accessoires wie Kämme aus Horn von der Manufaktur Petz aus dem 15. Wiener Gemeindebezirk oder vegane Kerzen von Lubs, hergestellt in Salzburg. 08/15-Marken? Fehlanzeige. „Wir sind wie die Trüffelschweine, wenn es darum geht, neue Produkte für unser Sortiment zu finden. Sogar meine Tochter unterstützt uns dabei“, so Faber.

Himbeer trifft Brombeer

Das Highlight im „Kussmund“ ist aber sicher die riesige Parfüm-Abteilung, so man sich seinen ganz persönlichen Duft zusammenstellen kann. „Das meiste ist unisex, von pudrig bis intensiv haben wir alles“, so Vacariu. Und das stimmt wohl: Denn unter „alles“ fallen auch Exoten wie Latex oder Kaugummi. Was gerade in Sachen Beauty angesagt ist? „Biotulin. Das ist quasi pflanzliches Botox: Der Effekt hält bis zu zwölf Stunden – dank Spirulina-Alge und Brunnenkresse.“ Kostenpunkt für das Bio-Lifting: 49 Euro für einen Tiegel. „Und nur keine Angst vor Ölen – vor allem nicht in der kälteren Jahreszeit“, plädiert Vacariu. „Dass Öle nicht einziehen und nichts mit Feuchtigkeit zu tun haben, sondern lediglich fetten, stimmt nicht mehr. Es lohnt sich also, die neuen Texturen auszuprobieren.“ Und in Sachen Farbe? Da empfiehlt das wandelnde Beauty-Lexikon Himbeere und Brombeere für den Herbst und Winter.

Text: Andrea Hörtenhuber
Fotos: Cornelia Gillmann